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Maasbree, Limburg / Noord-Limburg

Das verschonte Haus von Maasbree

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Am Rand der Peel, wo Nord-Limburg in Bauernland übergeht, liegt Maasbree, seit 2010 eines der Dörfer der Gemeinde Peel en Maas. Jahrhundertelang hieß es schlicht Bree, ein Straßendorf an der alten Straße von Helden nach Venlo, mit der Kirche in der Mitte und den Höfen auf dem armen Sandboden ringsum. Über dieses Dorf bewahrte H. Welters 1876 eine Sage: als hier einst 22 Häuser niederbrannten, blieb mitten in den Trümmern ein einziges Haus unversehrt stehen. Man erzählte, der Besitzer habe seinen Hausrat stets den Auvermannetjes geliehen, und das kleine Volk habe ihn dafür verschont.

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1 Das kleine Volk, das Hausrat lieh

Die Auvermannetjes, anderswo in Limburg auch Aardmannetjes genannt, waren ein kleines unterirdisches Volk. Sie schliefen bei Tag und wachten bei Nacht, und dann kamen sie in die Häuser, um Küchengerät zu leihen. Welters zeichnete auf, dass sie in Roggel nachts Töpfe und Pfannen holten, die sie vor dem Morgen blank gescheuert zurückbrachten. Sie taten kein Leid, solange man sie in Ruhe ließ; nur sahen sie es nicht gern, wenn man sie belauerte.

Wer ihre gute Seite kannte, teilte mit ihnen. So, erzählt die Sage, gab es in Bree einen Mann, der in der Zeit, als noch Auvermannetjes wohnten, seinen Hausrat und alles, was sie brauchten, dem kleinen Volk zu leihen pflegte. Er verlangte nichts zurück und ließ sie gewähren. Das Dorf mochte darüber lachen, doch der Mann hielt an seiner Gewohnheit fest, Jahr um Jahr.

Überall in Limburg endet die Sage auf dieselbe Weise: Das kleine Volk verschwand, als die Kirchenglocken lauter wurden. Die Aardmannetjes konnten das Geläut nicht ertragen, und beim Läuten der Abendglocke wurden sie aus dem Land verbannt. Auch bei Maasbree, schreibt Welters, vertrieb die Abendglocke die kleinen Geister. Doch zuvor hatten sie in Bree noch eine Schuld zu begleichen.

2 Der Brand, der das Dorf traf

Dann kommt die Nacht des Brandes. Das Feuer griff um sich und zerstörte der Überlieferung nach 22 Häuser, eine ganze Reihe von Wohnungen an der Dorfstraße. Als der Rauch sich hob, stand mitten zwischen den abgebrannten Häusern ein einziges Haus unbeschädigt. Es war, so sagte man, das Haus des Mannes, der stets für die Auvermannetjes bereitgestanden hatte; das dankbare kleine Volk hatte seine Wohnung durch das Feuer hindurch bewahrt.

Hinter dieser Sage steckt ein wirkliches Unglück. Aus einer Steuerrechnung von 1787 geht hervor, dass Bree am Sankt-Cornelius-Tag, dem 16. September 1786, von einem heftigen Brand getroffen wurde, bei dem 17 Häuser verlorengingen. Die Geschädigten wurden in jenem Jahr von der Zahlung der Hauptsteuer befreit, der gewöhnlichen Dorfabgabe. Die Sage macht aus den siebzehn getroffenen Häusern 22, wie Geschichten Zahlen größer machen, je länger sie weitererzählt werden.

Ob es genau dieser Brand von 1786 ist, den Welters meinte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen; er schrieb nur, es sei im vorigen Jahrhundert geschehen. Fest steht, dass Bree mehr als einmal vom Feuer heimgesucht wurde, wie fast jedes Dorf aus Holz und Stroh, und dass jedes Mal eine Geschichte zurückblieb, um den Schaden zu erklären. In Maasbree wurde das die Geschichte vom verschonten Haus.

3 Bree zwischen Peel und Maas

Das Dorf ist weit älter als seine Sage. Bree wird erstmals in einer Urkunde von 1240 genannt, in der Diederik, Herr von Altena, dem Kloster Sankt-Elisabethsdal bei Nunhem Rechte im Dorf schenkte. Es gab damals schon eine Gemeinschaft mit einer Kirche und einer eigenen Schepenbank, deren Siegel die heilige Aldegundis zeigte. Um Verwechslungen mit dem belgisch-limburgischen Bree zu vermeiden, heißt das Dorf seit der Franzosenzeit Maasbree.

Bree lag zunächst unter dem Grafen von Kessel und gehörte danach nacheinander zu Geldern, Burgund, Spanien, Preußen, Frankreich, Belgien und schließlich den Niederlanden. Es war und blieb ein Bauerndorf auf armem Boden, mit großen Höfen wie dem Kerckenhof und dem Hof Tongerlo, bestellt von Halbmännern, die die Hälfte der Ernte an ihren Herrn abgeben mussten. Am Rand standen zwei kleine Schlösser, Huis Bree, später Huis Aarssen, und Huis Westering; das letzte wurde in den letzten Kriegstagen von 1944 durch englische Granaten in Trümmer geschossen.

In der Franzosenzeit begann man südlich des Dorfes mit der Noordervaart, einem Kanal, der Antwerpen mit dem Rhein verbinden sollte; er wurde nie vollendet, und das Bett liegt noch da. 2010 ging Maasbree mit Helden, Kessel und Meijel in der neuen Gemeinde Peel en Maas auf. Von den Auvermannetjes bleibt nur die Sage, doch wer an einem stillen Abend die Kirchenglocke über dem alten Straßendorf schlagen hört, weiß sogleich, warum das kleine Volk einst fortzog.

Quelle: Sage aufgezeichnet von H. Welters, Limburgsche legenden, sagen, sprookjes en volksverhalen, Teil 2 (1876), Kapitel «Aardmannetjes in Limburg» (Gewährsmann H.U.), via dbnl.org. Historische Angaben: Geschiedenis Maasbree und Dorpsprofiel Maasbree (Gemeente Peel en Maas) sowie nl.wikipedia (Maasbree, Peel en Maas).
Wusstest du? Welters zeichnete die Auvermannetjes-Geschichten um 1876 aus dem Volksmund auf; unter jeder Erzählung stehen die Initialen des Gewährsmanns, bei Maasbree die Buchstaben H.U. Der Überlieferung nach verschwanden die Aardmannetjes überall in Limburg, sobald die Kirchenglocken lauter läuteten, denn das Geläut konnten sie nicht ertragen. In Roggel brachten sie geliehene Töpfe und Pfannen vor dem Morgen blank gescheuert zurück, und in Doenrade erging es einem Knecht schlecht, der ihren Reisbrei mit Stücken alter Schuhsohle verdarb.
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